Airbus: Kein gutes Jahr für Neuaufträge

A320neo-Produktion liegt hinter dem Zeitplan.

Foto: Michael Csoklich.

Der 67-jährige John Leahy ist der Chefverkäufer von Airbus und so etwas wie ein Urgestein des Flugzeugherstellers. Mehr als 15.000 Flugzeuge wurden unter seiner Ägide von seinem 500-köpfigen Team verkauft. Jetzt geht er demnächst in Pension, sagte Leahy am Rand der IATA-Jahrestagung in Cancun. Und er gab Journalisten eine Überblick über den aktuellen Stand bei Airbus. 

Bei den Neuaufträgen wird das heurige Jahr kein gutes werden, so Leahy. Aber das entspreche den üblichen Wellen, den Hochs und Tiefs der Industrie. Dass sich die Fluglinien mit Bestellungen zurückhalten interpretiert Leahy so, dass diese eben in den letzten Jahren so viele Flugzeuge bestellt hätten. Das zeige der Stand der Auftragslage. 6700 bestellte Flugzeuge habe Airbus noch zu produzieren. 5.500 Mittelstreckenflugzeuge der 320/321-Serie, 1.100 Langstreckenflugzeuge 330/340/350 sowie etwa 100 A380 Großraumflugzeuge. 

Trotz der geringen Neubestellungen werde Airbus daher seine Produktion erhöhen. Lediglich die Produktion der A380 werde weiter reduziert, auf weniger als ein Stück pro Monat. Trotzdem versprühte Leahy in Sachen A380 Optimismus: der Flugverkehr werde sich in den kommenden 15 Jahren verdoppeln, die Kapazität der Flughäfen werde da nicht mithalten können. Deshalb werden größere Flugzeuge gebraucht werden, das sei eine Chance für die A380. Allerdings: Ganz große Flugzeuge mit vier Triebwerken wie die A380 und Boeings 747-8 sind bei den Fluglinien seit Jahren kaum noch gefragt. Sie setzen verstärkt auf mittelgroße Langstreckenjets wie die A350 und die 787 "Dreamliner". 

Noch immer nicht im Griff hat Airbus Probleme beim modernisierten Mittelstreckenjet A320neo. Die Produktion liege teils hinter dem Zeitplan zurück, sagte Leahy. Hitzeprobleme an den Triebwerken des Zulieferers Pratt & Whitney hatten schon 2016 den Start des Verkaufsschlagers verzögert. Und immer noch gibt es Verzögerungen bei der Lieferung der Sitze für die A350. 

Die neue Version von Boeings 737, die 737 MAX, sieht Leahy nicht als Konkurrenz und Gefahr. Zu dominant und nachgefragt sei die A321, gemeinsam mit der A330 sieht Leahy für Airbus einen Marktanteil von 80 Prozent. In dem Segment ortet Leahy bei Boeing eine Krise. 

Wenn John Leahy demnächst in Pension gehen wird, steht sein Nachfolger fest: es wird sein Stellvertreter, der Inder Kiran Rao.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Seit 2015 leitet er den LG für Wirtschaftsjournalismus in Krems, ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Austrian Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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