Air Italy will Alitalia ersetzen

Mailand-Malpensa soll zum Langstrecken-Drehkreuz ausgebaut werden.

An Air Italy hält Qatar Airways derzeit 49 Prozent (Foto: Jan Gruber).

Der Flughafen Mailand-Malpensa war einst als großes Drehkreuz konzipiert und sollte gleichzeitig den innerstädtischen Airport Linate ersetzen, doch das gelang nie. Slots in Linate sind begehrt und Alitalia verlegte vor einiger Zeit gar fast das komplette Mailänder Flugangebot - mit wenigen Ausnahmen - zurück auf den innerstädtischen Flughafen.

In Malpensa gibt es nur noch wenige Langstreckenangebote, jedoch zwei Terminals, die nicht miteinander verbunden sind, sondern sich weit voneinander entfernt befinden. Das kleinere Abfertigungsgebäude 2 wird derzeit mehr oder weniger exklusiv von Easyjet genutzt, während sich fast alle anderen Carrier im Terminal 1 angesiedelt haben.

Geht es nach den Plänen von Air Italy, die ihre Homebase auf dem Flughafen Olbia (Sardinien) hat, könnte schon bald in Malpensa neuer Schwung in die Terminals kommen, denn die Errichtung eines Drehkreuzes ist angedacht. An diesem Carrier ist seit einigen Monaten Qatar Airways mit 49 Prozent beteiligt.

Das lokale Medium il Giornale zitiert den Chef des Golfcarriers, Akbar al-Baker, gar mit den Worten, dass man Alitalia nicht stützen, sondern ersetzen wolle. Dies deutet darauf hin, dass sich das insolvente Unternehmen auf einen harten Wettbewerb einstellen muss, wobei Alitalia am Malpensa auf der Langstrecke ohnehin nur New York und Tokio bedient. Die meisten Kurzstrecken wurden - wie erwähnt - ohnehin auf den insbesondere bei Geschäftsreisenden beliebten Linate-Airport verlegt.

Air Italy ist in Malpensa allerdings kein Newcomer, denn man bedient auch schon verschiedene Langstrecken und dazu ein par Zubringerflüge. Diese sollen nun laut il Giornale deutlich zu einem Drehkreuz ausgebaut werden. So soll es bald Kurzstreckenflüge mit Umstiegsmöglichkeit in Malpensa auf die Langstrecke oder aber zu anderen lokalen Zielen unter anderem aus Rom, Neapel, Catania, Palermo, Lamezia und Olbia geben. Gleichzeitig setzt man sich unter anderem mit New York und anderen geplanten Langstrecken ab Malpensa direkt neben Alitalia, um dieser direkte Konkurrenz zu machen.

Da Alitalia aufgrund der unsicheren Zukunft im Rahmen der SkyTeam-Zusammenarbeit insbesondere mit Delta, KLM und Air France nach und nach Codeshares verliert, will Air Italy in Kooperation mit Oneworld-Mitgliedern genau hier punkten. Mal will Anschlüsse, beispielsweise ab den USA, Doha oder Hong-Kong mit Oneworld-Airlines anbieten.

Das Projekt ist allerdings auch sehr riskant und insbesondere teuer. Qatar Airways stellt insbesondere Fluggerät, darunter auch Boeing Dreamliner, zur Verfügung. Einige Routen, die als Zubringer nach Malpensa fungieren sollen, wurden von Alitalia aufgrund millionenschwerer Verluste eingestellt. Ob es Air Italy mit der Unterstützung von Qatar Airways besser machen kann wird sich zeigen, denn es handelt sich auch um ein Fernduell zwischen Etihad Airways, die mit dem Investment bei Alitalia grandios gescheitert ist und eben Qatar Airways, die noch beweisen muss, dass sie es besser können. Der Markt in Italien ist nämlich auch zusätzlich durch die starke Präsenz der Billigflieger Ryanair, Easyjet, Volotea, Vueling und anderer Anbieter stark bekämpft. Daher sucht man offenbar auf der Langstrecke Möglichkeiten Geld zu verdienen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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