Air Explore: Das schnelle Geschäft im Aviation-Business

Ein Flugzeug fällt wegen eines technischen Defekts aus und die gestrandeten Passagiere warten auf eine schnelle Rückholung. Der bestellte Jet kann vom Hersteller nicht fristgerecht geliefert werden oder ein besonderes Ereignis macht es notwendig, möglichst viele Passagiere in kürzester Zeit von A nach B zu transportieren? In diesen Fällen kommen zumeist ACMI Fluglinien zum Einsatz die sich voll und ganz auf die kurz- oder langfristige Vermietung ihrer Flugzeuge (Aircraft/Crew/Maitenance/Insurance) spezialisiert haben.

Boeing 737 von Air Explore (Foto: Martin Dichler).

Doch nicht nur diese kurzfristigen Aufträge sorgen für eine Auslastung der Flugzeuge der Nischenanbieter, immer mehr Fluglinien setzen auf die langfristigen Dienste der ACMI Fluglinien. Seit dem Jahr 2010 operiert die slowakische Fluglinie Air Explore höchst erfolgreich in diesem Geschäft. Renommierte Kunden wie Transavia, Norwegian, Air France, Tunis Air oder Royal Air Maroc haben in den vergangenen Jahren bereits vielfach auf die Dienste des ACMI Spezialisten zurück gegriffen.

Martin Dichler sprach im Firmensitz des Unternehmens in Bratislava mit dem Firmengründer und CEO Martin Stuljater über das schnelle Geschäft im Aviation Business.

Wie zufrieden waren Sie mit dem Geschäft im abgelaufenen Jahr?

Das Jahr 2017 war das beste Jahr unserer jungen Firmengeschichte! Wir hatten zwei Flugzeuge für Travel Service mit Basis in Katowice (Polen) im Einsatz, zwei für TUIfly Belgium, eine Maschine flog in Palau sowie eine in Tanger für Royal Air Maroc. Eine weitere Maschine, die aber nicht mehr in unserem Besitz ist, flog für die spanische Charterfluglinie Alba Star.

Wer sind Ihre größten Auftraggeber?

Palau Pacific Airways ist einer unserer ältesten Kunden. Wir betreiben bereits seit drei Jahren eine Maschine ganzjährig für das Unternehmen auf der Strecke Palau (Koror)-Hongkong, Palau-Macau. 

Wie viele Flugzeuge betreiben Sie derzeit?

Aktuell betreiben wir fünf Boeing 737-800NG, ab April 2018 wird noch eine sechste Maschine hinzustoßen, womit der Umstieg von den bisherigen Boeing 737 Classic auf die Next Generation abgeschlossen wird. Im folgenden Jahr beginnen wir dann unsere älteren 737NG (OM-FEX/GEX) gegen jüngere Muster auszutauschen.

Martin Stuljater (Foto: Martin Dichler).

Sind Sie optimistisch was die Zukunft ihres ACMI-Geschäfts betrifft?

Hhmm, optimistisch für die Zukunft…? In diesem kurzlebigen Geschäft gibt es keine langfristigen Prognosen, wie sich das Business entwickelt. Wenn Sie mich heute Fragen, so bin ich optimistisch, aber wie wir alle wissen kann sich alles sehr schnell ändern.

Und wie sieht es mit der bevorstehenden Wintersaison aus?

Der Winter ist natürlich für unser Business immer eine Herausforderung! So werden zunächst die fälligen Maintenancearbeiten an unseren Flugzeugen gemacht. Es gibt hier eine gute Zusammenarbeit mit AEROPLEX in Budapest. Zusätzlich arbeiten wir gerade an einigen neuen Projekten. Eine Maschine wird auf alle Fälle in Kabul stationiert werden, da wir einen Vertrag mit KAM Air in Afghanistan haben. 

Ihr Unternehmen wurde im Jahr 2010 gegründet und hat sich inzwischen einen guten Namen als ACMI (Aircraft- Crew- Maintenance- Insurance) Anbieter gemacht. Sie stehen im Einsatz namhafter Airlines. Sind ihre Partner zufrieden mit den gebotenen Leistungen?

Wir sind nicht perfekt, Probleme können in diesem Business immer auftreten. Als Fluglinie sind wir aber bemüht, im Sinne des Kunden auftretende Probleme möglichst schnell zu lösen. Als kleines Unternehmen können wir schnell Entscheidungen treffen und das kann in diesem Business sehr hilfreich sein. Wir sind für Kundenanfragen jederzeit erreichbar und können innerhalb kürzester Zeit liefern, dass schätzen natürlich unsere Partner. Nicht umsonst greifen renommierte Airlines immer wieder gerne auf unsere kurzfristig verfügbaren Kapazitäten zurück.

Sie betreiben eine reine Boeing 737-800NG Flotte. Haben Sie schon einmal nachgedacht ein Langstreckenflugzeug zu übernehmen?

Das haben wir, doch ich bin mir sicher, dieser Schritt wird nicht so schnell passieren.  Zahlreiche ACMI Fluglinien haben sich in der Vergangenheit mit dem Betrieb eines Langstreckenjets verkalkuliert. Wir sehen unsere Zukunft im Betrieb unserer sechs Boeing 738NG. Der Betrieb eines Langstreckenflugzeuges ist ein sehr umfangreiches Projekt, das sicher nicht zu unseren primären Zielen zählt.

Air-Explore-Crew an Bord einer Boeing 737 (Foto: Martin Dichler).

Wer sind Ihre größten Mitbewerber am Markt?

In Europa sicherlich Travel Service und go2sky.

Es sieht so aus, als gebe es derzeit genügend Geschäft für alle?

Im Sommer ja, im Winter leider überhaupt nicht!

Was denken Sie ganz allgemein über die slowakische Luftfahrt? Es gibt derzeit keine einzige slowakische Airline die Linienflüge anbietet!

Ich weiß nicht ob Sie die aktuelle Entwicklung in der Slowakei verfolgen, aber die slowakische Regierung möchte die Gründung einer nationalen Fluglinie vorantreiben. Mir fehlen aber hier die Informationen um ein Statement darüber abgeben zu können.

Der Flughafen Bratislava zählt derzeit so viele Passagiere wie schon lange nicht mehr. Glauben Sie nicht, dass es für eine neue Airline auch Sinn machen könnte einige Destinationen anzufliegen?

Wie kann man als kleine Fluglinie mit einer Ryanair oder Wizzair ab Bratislava in Konkurrenz treten? Erstens haben sich die Low Cost Airlines schon auf die profitablen Routen gesetzt und welche Route Sie auch immer aufnehmen, die Low Coster werden ihre Tarife so lange unterbieten bis Sie aufgeben. Langstreckenflüge ab Bratislava stehen auch immer wieder im Gespräch, doch wer meint, dass er mit Fluglinien wie Qatar oder Emirates konkurrieren kann ist ein Träumer.

So ist und bleibt das ACMI Geschäft das einzig erfolgreiche Geschäftsmodel in der Slowakei?

ACMI und Vollcharter sind unserer Meinung nach das einzig profitable Business. Wir sind heuer keinen einzigen Vollcharter in der Slowakei geflogen, denn wir verdienen überall mehr Geld mit unseren Flügen als in der Slowakei…

Autor: Martin Dichler
Martin Dichler ist Vorsitzender der Flughafenfreunde Wien und schreibt seit Jahren als freier Journalist für diverse Luftfahrt- und Reisemedien.

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