Air Berlin: Winkelmann äußert sich zu Pleitegründen

Etihad Airways will Kommentare des Spitzenmanagers, der die Beteiligung verkaufen sollte, nicht kommentieren.

Thomas Winkelmann ist der letzte CEO der Air Berlin Group (Foto: Air Berlin).

Thomas Winkelmann, formell Generaldirektor der insolventen Air Berlin, meldete sich nach einer langen Phase des Schweigens wieder zu Wort. Laut Flightglobal.com soll er sich vor Analysten dahingehend geäußert haben, dass er den Job bei Air Berlin mit einem klaren Verkaufsauftrag seitens Etihad Airways angetreten habe, sich jedoch die Finanzlage des Unternehmens im Laufe des Jahres 2017 rapide verschlechtert habe.

Als eine der Ursachen führte er an, dass die Air Berlin Group in Spitzenzeiten mit bis zu sechs unterschiedlichen Flugbetrieben (AOCs) operiert habe. Diese hätten jeweils unterschiedliche Tarifverträge gehabt, so dass Konflikte vorprogrammiert waren. Es habe ein interner Konkurrenzkampf stattgefunden, wobei Winkelmann auch sagte, dass manche Dienstverträge "wettbewerbsfähig" gewesen wären "und andere nicht". Die Folge daraus wäre gewesen, dass Air Berlin Jahr für Jahr in Tarifverhandlungen gesteckt habe, die das Unternehmen aufgehalten hätten. Auch deutete Winkelmann an, dass diese zusätzliche Kosten verursacht haben könnten.

Die Insolvenz brandbeschleunigt hätte in seinen Augen, dass die gesamten Kosten zu hoch gewesen wären und gleichzeitig entsprechende IT-Systeme gefehlt hätten. Dazu kommt, dass die bestehenden Systeme für Revenue Management nur bedingt geeignet gewesen wären. Auch hätten Aktionäre ihre Strategien geändert und Air Berlin habe in Schuldenberg in Milliardenhöhe vor sich hergeschoben. Die Belastung der Zinszahlungen wäre "nicht nachhaltig" gewesen.

Der Plan das Wetlease-Geschäft für die Lufthansa Group in eine eigene Gesellschaft - Air Berlin Aeronautics GmbH - auszugliedern und die Tochtergesellschaft Niki gemeinsam mit Tuifly in eine Holding unter der Federführung von Etihad Airways einzubringen, konnten nicht verwirklicht werden. Allerdings ging Thomas Winkelmann nicht auf den Umstand ein, dass er in seiner Funktion als Air-Berlin-CEO den Kaufvertrag für jene 49 Prozent, die Air Berlin an Niki hielt, nicht unterzeichnete, jedoch Etihad den Kaufpreis bereits überwiesen hatte.

Der Golfcarrier wollte auf Anfrage zu den Äußerungen des Thomas Winkelmann, der im Nebenberuf für Zeitfracht tätig ist, nicht eingehen. Auch Flightglobal.com weist eingangs der Berichterstattung darauf hin, dass Etihad Airways auch diesem Medium eine Stellungnahme verweigert habe.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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