Air Berlin übernimmt Luftfahrtgesellschaft Walter

Transaktion muss durch das deutsche Bundeskartellamt geprüft werden.

LGW betreibt insgesamt 20 Dash 8-Q400 für Air Berlin (Foto: www.AirTeamImages.com).

Bislang war die Luftfahrtgesellschaft Walter mbH kein Bestandteil der Air Berlin Group, wenngleich die Dortmunder Airline fast ausschließlich im Auftrag der Berliner fliegt. Im Zuge der Ausflottung der von Germania betriebenen Fokker-100-Jets im Jahre 2007 erhielt die Luftfahrtgesellschaft Walter den Auftrag Maschinen des Typs Dash 8-Q400 für Air Berlin zu betreiben.

Die Kooperation wurde ab 2009 deutlich ausgedehnt, so dass die Anmeldung eines so genannten "Kontrollerwerbs" beim deutschen Bundeskartellamt notwendig war. Dies hat den Hintergrund, dass die Luftfahrtgesellschaft Walter ihre Einnahmen fast ausschließlich durch die Geschäftsbeziehung mit Air Berlin erlöst. Gleichzeitig sollen sich die Berliner - damals noch unter Führung des Joachim Hunold - auch eine Kaufoption gesichert haben.

Die Konstruktion zwischen den beiden Fluggesellschaften ist einfach erklärt: Air Berlin least Fluggerät über so genannte Objektgesellschaften mit Sitz in Luxembourg, die das Gerät an die Luftfahrtgesellschaft Walter vermieten. Air Berlin beauftragt die LGW dann mit der Durchführung von Flügen und bezahlt die Dortmunder entsprechend für ihren Einsatz. Das Fluggerät ist dabei auf die Luftfahrtgesellschaft Walter registriert, als auch Kabinen- und Cockpitpersonal Angestellte der Dortmunder sind.

Wie die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, soll Air Berlin nun die Kaufoption gezogen haben und die Luftfahrtgesellschaft Walter für "einen symbolischen Preis, der Air Berlin finanziell nicht überfordert" übernehmen. Ein Konzernsprecher erklärte dies gegenüber der zum Axel-Springer-Verlag zugehörigen Tageszeitung. Weiters wolle Air Berlin "durch die Eingliederung der LGW die Performance verbessern". Die Übernahme wäre beim Bundeskartellamt angemeldet worden, wobei es aufgrund der Tatsache, dass die Luftfahrtgesellschaft Walter seit fast zehn Jahren ohnehin de-facto von Air Berlin kontrolliert wird, eher ein Durchläufer sein dürfte.

LGW betreibt derzeit 20 Turbopropflugzeuge des Typs Dash 8-Q400 im Auftrag von Air Berlin. Laut "Die Welt" beschäftigt das Dortmunder Luftfahrtunternehmen rund 370 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz im Jahr 2016 soll laut der Tageszeitung bei 83 bis 88 Millionen Euro gelegen haben.

Immer wieder wurde spekuliert, dass die Luftfahrtgesellschaft Walter als Basis für einen Betriebsübergang der Air Berlin dienen könnte. Hintergrund war, dass LGW über keinen Tarifvertrag mit der Vereinigung Cockpit verfügte und als regelrechte "Billigkiste" für Air Berlin galt. Das ist aber so schon lange nicht mehr korrekt, da die Luftfahrtgesellschaft Walter unter der Geschäftsführung des mittlerweile nicht mehr für das Unternehmen tätigen Christian Peter einen entsprechenden Manteltarifvertrag und einen Vergütungstarifvertrag mit der Vereinigung Cockpit abgeschlossen hat. Die Dokumente liegen Austrian Aviation Net vor: Das Gehaltsniveau befindet sich im Vergleich mit anderen Regionalfluggesellschaften im guten oberen Durchschnitt. so dass von heftiger Unterbezahlung zumindest seit 2014 keine Rede mehr sein kann.

Die bevorstehende Übernahme durch Air Berlin und die bereits angekündigte Eingliederung in den Konzern könnte nebst strategischen Gründen auch einen viel simpleren haben, denn der momentane Alleineigentümer und Geschäftsführer, Bernd Walter, ist mit 72 Jahren kein Jungspund mehr und sicherlich daran interessiert seine Nachfolge zu regeln. Eine Übernahme durch den Hauptkunden erscheint dabei logisch, zumal Air Berlin trotz aller Probleme wiederholt ankündigte, dass die Dash 8-Q400-Flotte für Zubringerdienste nach Berlin-Tegel und Düsseldorf weiter ausgebaut werden soll. 

Air Berlin hätte natürlich auch die Möglichkeit den Flugbetrieb teilweise oder gänzlich in die Luftfahrtgesellschaft Walter auszugliedern, so auch eine Fusion mit der neugegründeten Air Berlin Aeronautics GmbH nicht auszuschließen ist, da man so äußerst rasch an ein seit Jahrzehnten gültiges, deutsches AOC kommen würde. Angesichts der momentanen Entwicklungen bei Air Berlin, ist dies reine Spekulation, denn es gilt eher die außerordentliche Hauptversammlung am 14. Juni 2017 abzuwarten. In dieser will der Verwaltungsratspräsident, Joachim Hunold, gemeinsam mit dem operativen Generaldirektor, Thomas Winkelmann, den Aktionen Rede und Antwort zur finanziellen Lage des Air-Berlin-Konzerns stehen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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