Air-Berlin-Übernahme: Spohr zweifelt Sinn und Zweck an

Berliner sollen zu stark verschuldet und zu teuer sein.

Carsten Spohr ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG (Foto: Lufthansa).

"Die schwerst angeschlagene Air Berlin soll in Lufthansa aufgehen." - Sinngemäß zitiert berichteten so zahlreiche Medien unmittelbar vor Weihnachten. Der Wetlease-Deal mit Austrian Airlines und Eurowings ist in trockenen Tüchern, doch der sprichwörtliche Rest von Air Berlin dürfte für Lufthansa-Chef Carsten Spohr offenbar nicht sonderlich interessant sein.

Die Überlegung, die in Medien diskutiert wurde, war recht simpel. Der Kranich schluckt Air Berlin und Etihad Airways beteiligt sich im Gegenzug an Lufthansa. Gemutmaßt wurde auch, dass eine entsprechende Mitgift zur Tilgung des Schuldenhaufens aus Abu Dhabi fließen könnte. Spohr relativierte am Dienstag jedoch im Rahmen des "Lufthansa Digital Aviation Forum" derartige Überlegungen. Insbesondere der Schuldenberg, der dem Vernehmen nach irgendwo zwischen einer und zwei Milliarden Euro liegen soll und die Kostenstruktur der Air Berlin machen diese für Spohr unattraktiv.

In der Tat gibt es innerhalb des angeschlagenen Carriers eine regelrechte Firma in der Firma und zwar die ehemalige LTU, deren Beschäftigte teils hochdotierte Altverträge haben sollen, was insbesondere für den Kranich, der seit mehreren Jahren versucht derartige Altvereinbarungen gegen günstigere Konditionen zu tauschen, nicht attraktiv werden. Anders ausgedrückt: Man würde sich fast den nächsten Streit mit Gewerkschaften in den Konzern kaufen.

Ein ehemaliger LTU-Spitzenmanager erklärte im Gespräch mit Austrian Aviation Net, dass die Pilotenverträge nicht nur besonders teuer wären, sondern auch diverse Leistungen ringsherum heftig ins Geld gehen würden. Beispielsweise müssten - so der Ex-Manager - besonders hochwertige und damit teure Hotels gebucht werden, aber auch Leistungen für das Personal bereitgestellt werden, die heute nicht mehr üblich sind. Aufgrund der verworrenen Firmengeschichte der LTU konnte sich ein sehr starker Betriebsrat entwickeln, der auch nach der Übernahme durch Air Berlin in keiner Art und Weise geschwächt wurde. Eher das Gegenteil ist der Fall, denn viele Air-Berlin-Mitarbeiter profitierten stark von ihren Ex-LTU-Kollegen, die hinsichtlich Veränderungen, Eigentümerwechsel und Verzicht auf Privilegien in der Branche als besonders abgehärtet und damit als knallharte Verhandlungspartner gelten.

Lufthansa dürfte also eine gewisse Sorge haben, dass im Falle einer Übernahme des Langstreckengeschäfts der Air Berlin kein Vorteil erzielt wird, sondern die Personalvertretungen der ehemaligen LTU zusätzlich zu den Unstimmigkeiten, die man bereits heute mit den Lufthanseaten hat, zu regelrecht unlösbaren Problemen führen könnten. Die Betonung liegt auf könnten, denn mit ein bisschen logischem Verstand ist klar erkennbar, dass zahlreiche Air-Berlin-Beschäftigte aufgrund des Personalabbaus und der Zerschlagung der Firmengruppe durchaus berechtigte Ängste um ihren Job und damit ihre Zukunft haben. 

Mit Thomas Winkelmann würde wird jedoch im Feber ein äußerst enger Vertrauter des Carsten Spohr den Chefsessel bei Air Berlin übernehmen, so dass tiefe Einblicke in Herz und Nieren der Air Berlin möglich werden, so dass anzunehmen ist, dass der Spohr-Vorstand die Entscheidung betreffend einer möglichen Eingliederung der Rest-Air-Berlin zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden werde.

Allerdings ist es durchaus möglich, dass EU-Kommission und das deutsche Bundeskartellamt einen Strich durch die Rechnung machen könnten. Dies dürfte aber durchaus lösbar sein, da Air Berlin das Leisure-Geschäft an Niki und Tuifly abgibt. Da Niki bald nicht mehr der Air-Berlin-Group angehören wird, gibt es auf zahlreichen Leisure-Strecken bald ohnehin keinen Wettbewerb zwischen Eurowings und Air Berlin. 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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