Air-Berlin-Notkredit bleibt beim Steuerzahler hängen

LGW-Verkauf bringt nur 18 Millionen Euro ein.

Der LGW-Verkauf soll nur 18 Millionen Euro in die leeren Air-Berlin-Kassen spülen (Foto: Peter Unmuth).

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau gewährte der insolventen Air Berlin bekanntermaßen einen Überbrückungskredit in der Höhe von 150 Millionen Euro. Als Bürge trat die Bundesrepublik Deutschland auf und als Sicherheit sollte der Verkaufserlös von Niki dienen.

Doch nun scheint es so als würde der Steuerzahler auf der sprichwörtlichen Zeche sitzen bleiben, denn der für Air Berlin zuständige Sachwalter zeigte bereits vor einigen Wochen Masseunzulänglichkeit an und erklärte öffentlich wiederholt, dass es für Niki nur Lufthansa als Option gäbe. Letzte will nun die Österreich-Tochter nicht mehr haben, da es aus Brüssel kein grünes Licht gab.

Damit dürfte auch der deutsche Steuerzahler um 150 Millionen Euro erleichtert werden, denn in jenem Augenblick, in dem Niki beim Landesgericht Korneuburg, das für das Unternehmen zuständig ist, den Insolvenzantrag einreicht, haben der Gläubigerausschuss der Air Berlin, der Sachwalter, Thomas Winkelmann und Bevollmächtigter Frank Kebekus bei Niki nichts mehr zu melden. Es würde dann ein eigenes Verfahren nach österreichischem Recht eröffnet werden und der Ball liegt dann zunächst beim Landesgericht Korneuburg und einem von diesem bestimmten Masseverwalter.

Anschließend würde es zur Einberufung der Gläubigerversammlung kommen, wobei Air Berlin bei dieser höchstwahrscheinlich gar nicht dabei sein wird, da Niki angeblich Millionenforderungen an die insolvente Mutter hat und nicht umgekehrt. Aufgabe des österreichischen Masseverwalters wäre es nach heimischer Insolvenzordnung das Unternehmen zu sanieren, sprich an einen potentiellen Investor zu verkaufen oder wenn das nicht möglich ist, dem Landesgericht Korneuburg die Schließung zu empfehlen, welches dies dann auch mit hoher Wahrscheinlichkeit anordnen würde. Anschließend könnte Niki in sprichwörtlichen Einzelteilen verwertet werden, um für die Niki-Gläubiger (nicht jene der Air Berlin) eine möglichst hohe Quote herauszuholen. Sollte am Ende irgendetwas übrig bleiben, so würde dies Air Berlin bekommen...

Kurz gesagt: der deutsche Staat wird im Falle einer Niki-Insolvenz durch die Röhre schauen und besagte 150 Millionen Euro werden dann wohl oder übel auf die "Portokasse" des deutschen Steuerzahlers gehen.  Übrigens: Lufthansa beabsichtigt weiterhin die Luftfahrtgesellschaft Walter zu übernehmen. Der Kaufpreis soll lediglich 18 Millionen Euro betragen. Eine Summe, die der Milliardenkonzern Lufthansa wohl leicht aus der Portokasse bezahlen kann.

Sollte Lufthansa die Übernahme der Luftfahrtgesellschaft Walter finalisieren können, so wäre dies ein regelrechtes Schnäppchen, denn nebst LGW sicherte man sich auch die komplette Niki-Flotte direkt bei den Leasinggebern, die LGW-Dash-Flotte und natürlich auch jene Jets, die derzeit von Air Berlin zur LGW und Eurowings Europe umgeflottet werden. Da dürfte die "verlochte" Zwischenfinanzierung für Niki auch gegenüber den Aktionären durchaus leicht rechtzufertigen sein, denn damit erwarb man sich möglicherweise auch ein Ticket in die Gläubigerversammlung einer möglichen Niki-Insolvenz und damit wieder ein bisschen Einfluss...

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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