Air-Berlin-Manager könnten zur Kasse gebeten werden

Sachwalter lässt Schadensersatzansprüche durch PwC prüfen.

Air-Berlin-Jet im Hangar Düsseldorf (Foto: www.AirTeamImages.com).

Laut einem Zeitungsbericht der "Bild am Sonntag" könnten ehemalige Air-Berlin-Manager, darunter auch der langjährige Firmenchef Joachim Hunold, nachträglich zur Kasse gebeten werden. Lucas Löther, Sachwalter im Insolvenzverfahren, lässt laut dem Bericht die Wirtschaftskanzlei PricewaterhouseCoopers derzeit mögliche Schadensersatzansprüche auffinden.

Diese könnten unter anderem bei Joachim Hunold, seinen Nachfolgern im Amt des CEO und anderen führenden Managern im Bedarfsfall eingeklagt werden und der Masse zufließen. Konkret geht es um angebliche Fehlentscheidungen, aber auch angebliches unternehmensschädliches Verhalten. Im Fall von Hunold führt "Bild am Sonntag" konkret die so genannten "Counter Cards Premium Plus" an, mit denen im gesamten Streckennetz kostenlos gereist werden konnte und darüberhinaus auch für dritte Personen kostenfrei Flugscheine bezogen werden konnten.

Bereits vor einigen Jahren musste Hunold - damals kurz vor seinem Abritt als CEO - die Vergabe dieser Karten öffentlich rechtfertigen und sagte damals, dass diese nur an so genannte Markenbotschafter verteilt worden wären. Das wurde damals schon kräftig angezweifelt, denn auch zahlreiche Politiker sollen angeblich für ihre Privatreise solche Freikarten erhalten haben.

"Bild am Sonntag" führt nun einen Fall an, bei dem auf angebliche Veranlassung des Joachim Hunold ein Partyveranstalter eine solche Counter Card Premium Plus erhalten haben soll, mit der er zwischen 2005 und 2011 nicht nur mutmaßlich kostenlos flog, sondern angeblich auch in sehr hohem Umfang an Dritte Freitickets verteilt haben könnte. Dadurch könnten Air Berlin - laut dem Medienbericht - Einnahmen in der Höhe von 425.000 Euro entgangen sein, die der Sachwalter unter anderem bei Joachim Hunold einfordern möchte.

Doch nicht nur Hunold soll betroffen sein, sondern auch seine Nachfolger. Es wird geprüft, ob Entscheidungen und Handlungen bewusst zu Ungusten des Unternehmens erfolgt sind. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten, denn im Zweifelsfall müssen Richter darüber entscheiden, ob ein schadensersatzfähiger Vorgang vorliegt - d.h. der betroffene Ex-Manager bzw. seine Versicherung, falls vorhanden, muss bezahlen - oder eben nicht - d.h. der betroffene Ex-Manager bzw. seine Versicherung, falls vorhanden, muss nicht bezahlen. Es ist zu erwarten, dass solche Verfahren ggf. durch alle Instanzen gehen könnten.

Beachtlich ist jedenfalls, dass der Sachwalter im Insolvenzverfahren der Air Berlin nun die Tätigkeit der CEOs, die sich seit dem Wechsel des Joachim Hunold in den Verwaltungsrat regelrecht die Türklinken gegeben haben, genauer unter die Lupe nimmt. Das Ergebnis ist allerdings völlig offen.

Gerüchte gab es schon lange, doch gilt es auch klar und deutlich zu betonen, dass für jeden stets die Unschuldsvermutung zu gelten hat, bis er oder sie entweder selbst ein Verschulden öffentlich anerkennt oder ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Dieser Grundsatz gilt - unabhängig davon wie sehr die Emotionen bei vielen Air Berlinern momentan hochkochen - auch für das aktuelle und ehemalige Management der Air Berlin Group.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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