Air-Berlin-Klage: Etihad pocht auf UK als Gerichtsort

Golfcarrier verweist auf vertragliche Vereinbarungen und erkennt Deutschland als Streitort nicht an.

Airbus A330 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther ist in Sachen der Schadensersatzklage gegen Großaktionär Etihad Airways nun mit einem Einwand konfrontiert, denn der Golfcarrier erkennt die Gerichtszuständigkeit Deutschlands nicht an, sondern verweist darauf, dass die Zuständigkeit im Vereinigten Königreich liegt. Dazu habe der Carrier bereits einen Antrag auf Eröffnung eines Gerichtsverfahrens beim High Court in London gestellt. Dies bestätigte ein Etihad-Sprecher gegenüber Airliners.de.

Der offizielle Firmensitz der Air Berlin PLC befand sich vor der Verlegung nach London in Rickmansworth. Die börsennotierte Aktiengesellschaft britischen Rechts fungiert als persönlich haftender Gesellschafter der Luftverkehrs-KG, welche die eigentliche Fluggesellschaft war.

Airliners.de berichtet weiters unter Berufung auf den Etihad-Medienreferenten, dass mit Air Berlin im Voraus der Gerichtsstandort Vereinigtes Königreich für den Streitfall vereinbart worden wäre. Demnach wäre - so die Ansicht des Golfcarriers - das Verfahren in Berlin einzustellen und in London zu eröffnen.

Anwälte hatten schon bei Niki ein Problem mit der Gerichtszuständigkeit

Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther und der ehemalige Generalhandlungsbevollmächtigte Frank Kebekus, der auch weiterhin in diversen Verfahren von seinem Anwaltskollegen beauftragt wird, haben bereits eine durchaus unrühmliche Vorerfahrung in Sachen "Anträge im falschen Land eingebracht": Für Niki wurde am Amtsgericht Berlin-Charlottenburg mit einer zum Teil abenteuerlichen Begründung, die sich über viele Seiten hinweg zog, Insolvenz angemeldet. Das Gericht nahm den Antrag zunächst an und setzte Lucas Flöther als Verwalter ein. Gläubiger ergriffen jedoch ein Rechtsmittel, da Niki ein österreichisches Unternehmen ist und sich die Hauptverwaltung am Flughafen Wien-Schwechat befand. Dies sah auch das Landgericht Berlin so und hob den Beschluss des Amtsgerichts Charlottenburg auf. Daraufhin wurde ein Insolvenzverfahren im österreichischen Korneuburg eröffnet und die Wiener Rechtsanwältin Ulla Reisch als Konkursverwalterin eingesetzt. In Deutschland wurde - mit Lucas Flöther als Insolvenzverwalter - ein Sekundärverfahren eröffnet. Korneuburg rollte den von Lucas Flöther eingefädelten Verkauf der Niki-Assets an die IAG-Tochter Anisec neu auf und den Zuschlag bekam dann Niki Lauda mit seiner Laudamotion GmbH.

Angesichts dieser Vorgeschichte hinsichtlich Gerichtszuständigkeit bleibt zu hoffen, dass sich eine solche Posse in Sachen Schadensersatzklage gegen Etihad nicht wiederholt. Die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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