Air Berlin: Flöther haftet für 150-Millionen-Staatskredit persönlich

Vergütung könnte auf etwa 46 Millionen Euro steigen.

Foto: www.AirTeamImages.com.

Die Höhe der Vergütung, die Air-Berlin-Insolvenzverwalter Lucas Flöther für seinen kurzen Einsatz als Sachwalter während der Phase der Eigenverwaltung zugesprochen bekam, sorgte durchaus für Verwunderung, wenngleich diese sowohl der Höhe als auch dem Grunde nach genau gesetzlich geregelt ist - AviationNetOnline berichtete als erstes Medium überhaupt. Doch es könnte noch deutlich mehr werden, denn das ZDF berichtet unter Berufung auf vertrauliche Finanzplanungsunterlagen der Kanzlei, dass sich die Summe bis 2028 auf rund 46 Millionen Euro zuzüglich Auslagen und Mehrwertsteuer erhöhen könnte.

Ein Sprecher des Lucas Flöther erklärte dazu gegenüber dem ZDF: "Die Vergütung ist kein Honorar für eine Person, sondern für die Leistung einer Kanzlei. Die Kanzlei von Professor Flöther hat rund 150 Mitarbeiter, die während des Verfahrens zu einem großen Teil rund um die Uhr beschäftigt waren. Zusätzlich musste Professor Flöther für das KfW-Darlehen in Höhe von 150 Millionen Euro persönlich haften". Diese Aussage bedeutet offenbar auch, dass die KfW-Bank bezüglich besagtem Staatskredit Flöthers Privatvermögen belangen kann. Dieser Umstand war bislang nicht öffentlich bekannt, wurde jedoch von mehreren Juristen bereits mehrfach vermutet worden.

Heftige Kritik an der Spruchpraxis des Amtsgerichts Charlottenburg, das über die Abrechnung für die Sachwalter-Tätigkeit des Lucas Flöther zu entscheiden hatte, übt der ehemalige Insolvenzrichter Hans Haarmeyer gegenüber dem ZDF: "Dass das Gericht so etwas zulässt, macht mich sprachlos. Das ist ein unglaublicher Fall von Selbstbedienung. Ich weiß nicht, wie ein Rechtspfleger auf diese Idee kommen kann." Ähnlich äußerte sich auch Rechtsanwalt Thomas Müller-Güldenmeister, der das Rechtsmittel der Beschwerde im Gläubigerauftrag einlegen will: "In diesem Fall sind die gigantischen Aufschläge aber so grotesk hoch und skandalös, dass sie nicht so einfach hätten genehmigt werden dürfen."

Ein Sprecher des Lucas Flöther hält dem entgegen: "Es ist natürlich sehr gut nachvollziehbar, dass ein solcher Betrag der Mehrheit der Bürger als sehr hoch erscheinen muss. Die Vergütung von Insolvenzverwaltern ist allerdings vom Gesetzgeber geregelt und zwar bis ins Detail. Die Vergütung von Insolvenzverwaltern und Sachwaltern wird zudem nur durch das jeweils zuständige Insolvenzgericht festgesetzt, nicht durch die Verwalter selbst."

Ein weiterer Umstand, über den das ZDF berichtet, ist, dass Lothar Müller-Güldemeister, der eigenen Angaben nach rund 1.000 ehemalige Air Berlin Kunden als Rechtsanwalt vertritt, eine 25.000-Euro-schwere Klage gegen Ex-Air-Berlin-Generaldirektor Thomas Winkelmann eingebracht hat. Im Mai 2019 soll vor dem Landgericht Berlin eine mündliche Verhandlung stattfinden. Der betroffene Manager war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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