AG Charlottenburg nimmt Niki-Insolvenz an

Lucas Flöther zum vorläufigen Masseverwalter bestimmt.

Airbus A321 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Offenbar wollen sich die Verantwortlichen rund um die Pleite der Air Berlin Group vor einem Insolvenzverfahren nach österreichischem Recht drücken. Daher beantragte man vor dem Amtsgericht Charlottenburg in Berlin die Insolvenz und bekam - wenig verwunderlich - mit Lucas Flöther selbige Personal als vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, die auch Sachwalter der Air Berlin ist.

Mehrere von der Austrian Aviation Net Redaktion konsultierte deutsche und österreichische Rechtsanwälte sehen das Amtsgericht Charlottenburg dennoch aus unzuständig. Es wäre das Landesgericht Korneuburg in Österreich zuständig und die Argumentation, dass die Niki die meisten Flüge ab Deutschland abwickle, wäre nur eine Schutzbehauptung, um ein unvoreingenommenes Insolvenzverfahren in Österreich tunlichst vermeiden zu können. Gläubiger haben die Möglichkeit dieses Verfahren in Berlin anzufechten, da dies laut den konsultierten Rechtsanwälten keine solide Rechtsgrundlage habe und auch dazu führen könnte, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird, der in weiterer Folge dazu führt, dass Unternehmen in anderen EU-Ländern ihre Insolvenzen anmelden, um jeweils ausländische Vorteile ausnutzen zu können. Es wäre anzunehmen, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist und Niki möglicherweise in Korneuburg nochmals Insolvenz anmelden müsste. 

Die Tatsache, dass Charlottenburg mit Lucas Flöther den selben Masseverwalter wie bei Air Berlin bestellt hat, mag aus Konzernsicht zwar sinnvoll sein, jedoch sinken damit auch die Erwartungen, dass Niki unvoreingenommen gerettet oder verwertet werden könnte. Der "Lufthansa-Mief" klebt zu sehr an den Verantwortlichen rund um die Insolvenzen von Air Berlin und Niki, als auch aus Kreisen der deutschen Bundesregierung entsprechende Äußerungen zu hören sind, dass wenn die Lufthansa Niki nicht bekommt, dass sie niemand bekommen soll.

Das Verhalten der deutschen Bundesregierung entspricht zunehmend jenem einer Bananenrepublik, denn es dürfte wohl einzigartig in Europa sein, dass sich die Regierung eines einst führenden Industriestaats in Europa von einem einzigen Konzern nicht nur derartig vor den Karren spannen lässt, sondern die Spitzenpolitiker sich auch in Verfahren öffentlich durch fragwürdige Äußerungen einmischen, die sie in dieser Form eigentlich gar nichts angehen.

Wenn die deutsche Politik auch nur den Hauch an Interesse gehabt hätte, dass die Arbeitsplätze bei Air Berlin und Niki geschützt werden, so hätte sie dies jederzeit tun können. Offensichtlich hatte man - wenn man den merkwürdigen Äußerungen des "Mautministers" Alexander Dobrindt oder Brigitte Zypries nur ein kleines bisschen Glauben schenkt, durchaus die Absicht, alles zu tun, um Lufthansa zu stärken. Dobrindt sprach wiederholt vom "deutschen Champion Lufthansa".

Die Frage, die sich nun aber brennender stellt: Was passiert mit Niki und ihren 1.000 Beschäftigten? Zur Stunde kann man dies nur mit "keine Ahnung" beantworten, denn gesicherte Informationen gibt es noch nicht. Angeblich soll es insgesamt drei Interessenten, darunter auch Niki Lauda, geben, die Niki aus der Insolvenz herauskaufen wollen und so schnell wie möglich wieder abheben wollen.

NUR: Für Belair gab es ebenfalls mindestens zwei Interessenten und die Verantwortlichen um Lucas Flöther haben diese Offerten ausgeschlagen und es mit insolvenzrechtlichen Gründen erklärt. Belair hat noch immer Millionenforderungen an Air Berlin. Niki hat diese ebenfalls und genau das könnte ein Sargnagel für Niki werden, wenn die Insolvenzverwalter einen möglichen Nichtverkauf ähnlich wie bei Belair begründen. Böse Zungen würden in beiden Fällen spekulieren: Wenn Lufthansa es nicht bekommt, dann niemand. Merkwürdig, genau sowas hörte man am Donnerstag aus Regierungskreisen.

Doch gleich den Teufel an die Wand zu malen ist auch gegenüber den Rechtsanwälten, die für die Verwertung von Niki und Air Berlin verantwortlich sind, unfair, weshalb diesen auch erstmal die notwendige Zeit gegeben werden muss, denn sie könnten eventuell doch noch einen Investor für Niki an Land ziehen und dann würden sie in der Öffentlichkeit durchaus als Weihnachtshelden dastehen. Deswegen sollte bei aller Kritik am bisherigen Insolvenzverfahren bei Air Berlin, den Juristen eine Chance bei Niki gegeben werden, denn es handelt sich zweifelsfrei um keine Newcomer, sondern topqualifizierte und hocherfahrene Rechtsanwälte.

Interessant ist übrigens auch die Zusammensetzung des Gläubigerausschusses bei Niki: Dieser soll vorläufig aus Vertretern von Tuifly, Falco (Leasingunternehmen) und dem deutschen Arbeitsamt bestehen. Österreichische Gläubigervertreter sind mal gar nicht vertreten, was äußerst fragwürdig ist, denn es ist fast unglaublich, dass Niki in Österreich keinerlei Außenstände hat. 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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