Aeroflot: Sind bereit für einen fünften täglichen Wien-Flug

Österreich-Direktor Vadim N. Kolomychenko im Interview.

Vadim N. Kolomychenko (Foto: Martin Dichler).

Bei einem von PJSC Aeroflot organisierten und mit hochrangigen Gästen aus der österreichischen & russischen Tourismusbranche besetzten Fam-Trip nach Kitzbühel, wurden gemeinsam mit Dmitrii Liubinski, dem russischen Botschafter in Österreich, die neueste Zahlen zum positiven Russland-Trend vorgestellt. Veranstaltungsort für das gemeinsame Treffen war der von Kitzbühel Tourismus Präsidentin Signe Reisch geführte Rasmushof im Herzen des noblen Skiortes.

Nach Jahren der Stagnation freut sich die österreichische Tourismusbranche seit heuer wieder über die Wiederkehr der russischen Gäste. Nicht durch die Bundeshauptstadt Wien durfte sich in den ersten zehn Monaten des Jahres über ein sattes Plus von 33,4% mehr Ankünfte aus Russland freuen, sondern auch der Flughafen Wien (+ 26,5% in den ersten sechs Monaten). Motor für diese positive Entwicklung war die Aufnahme neuer Linienverbindungen durch S7 Airlines (seit 26.März täglich nach Moskau-Domodedovo), UTAir (seit 1.Juni täglich nach Moskau- Vnukovo) sowie die Erhöhung auf vier tägliche Rotationen nach Moskau- Sheremetyevo durch den Marktführer Aeroflot.

AAN sprach am Rande des Events in Kitzbühel über die Wiederkehr der russischen Gäste mit dem Aeroflot Direktor Österreich, Vadim N. Kolomychenko.

Austrian Aviation Net: Herr Kolomychenko, das Jahr 2017 neigt sich dem Ende zu, wie zufrieden sind Sie mit dem bisherigen Verlauf?
Vadim N. Kolomychenko:
Ich bin sehr zufrieden! Wir haben zu Beginn des Jahres eine vierte Frequenz zwischen Wien und Moskau eingeführt, die am Markt sehr gut angenommen wurde.

AANet: Die Aufnahme eines zusätzlichen Fluges ist immer mit einer großen Investition verbunden. War bereits zu Beginn des Jahres eine stärkere Nachfrage auf ihren Verbindungen erkennbar?
Kolomychenko:
 Natürlich ist die Aufnahme eines zusätzlichen Fluges auch immer mit einem wirtschaftlichen Risiko verbunden. Wir haben uns die Frage gestellt, ob man die Flüge verkaufen wird können und werden diese am Markt auch angenommen?  Die Entscheidung für den vierten täglichen Flug war aber die richtige Wahl den die durchschnittliche Auslastung aller unserer Flüge nach Moskau und St. Petersburg  liegt bei inzwischen mehr als 75%. 

AANet: Mit S7, Austrian und UT Air kämpfen einige Mitbewerber ebenfalls um die Gunst der Passagiere. Worauf führen Sie den Erfolg von Aeroflot zurück?
Kolomychenko:
 Wissen Sie, ich spreche oft mit unseren Passagieren. Der Kunde kann natürlich heute zwischen den verschiedenen Fluglinien auf der Wien- Moskau Verbindung wählen, schlussendlich kehren Sie aber wieder alle zu Aeroflot zurück, da wir das Beste Angebot bieten. Aeroflot betreibt heute nicht nur eine der jüngsten Flugzeugflotten weltweit, sondern bietet als renommierte SKYTRAX 4-Sterne Fluglinie ein ausgezeichnetes Service. Erst vor kurzem wurden wir von den Lesern des Business Traveller Magazin mit dem Preis als „Beste europäische Fluglinie“ ausgezeichnet. Aeroflot bietet zudem in ihrem Streckennetz eine Vielzahl an attraktiven Verbindungen über unseren Hub in Moskau-Sheremetyevo.

AANet: Der Winter steht vor der Türe und die Zahl der russischen Urlauber hat in den ersten neun Monaten bereits um fast 40% zugenommen. AEROFLOT bedient in Österreich derzeit nur den Flughafen Wien. Wie kommen Ihre Gäste in die beliebten österreichischen Skigebiete?
Kolomychenko:
 Früher flogen wir unsere Kunden direkt nach Innsbruck und Salzburg. Nachdem wir diese Flüge aber nicht mehr anbieten, freuen wir uns über eine neue Partnerschaft mit der ÖBB. Mit unserem attraktiven Rail+ Fly Austria Programm, können unsere Passagiere direkt ab dem Flughafen Wien in wenigen Stunden mit dem modernen Railjet nach Tirol weiterreisen. Ab 29.Dezember bietet die ÖBB zudem drei direkte Verbindungen in dem von Russen so beliebten Skiort Kitzbühel. Aeroflot Kunden können bereits bei Ihrer Flugbuchung das Zugticket für den Railjet bequem über unsere Seite mit bestellen.

AANet: Wie sieht es eigentlich mit dem Outgoing Verkehr zwischen Wien nach Russland aus? Flusskreuzfahrten werden bei den Österreichern immer beliebter. Glauben Sie dass die Fußball EM 2018 in Russland für eine noch stärkere Nachfrage auf Ihren Moskau Flügen sorgen könnte?
Kolomychenko:
 Natürlich können wir auch eine stärkere Nachfrage am österreichischen Markt für Reisen nach Russland erkennen. Die Bewerbung der beiden Reiseländer im Rahmen des gemeinsamen „Tourismusjahres 2017“ hat hier zusätzliches Interesse geweckt. Wir haben auch mit der österreichischen Nationalmannschaft bei der EM Qualifikation mit gefiebert. Doch leider hat es nicht gereicht und so wird die Fußball EM wohl kaum zusätzliche Passagiere bringen.

AANet: Nur unweit von Wien fliegt Pobeda, eine Low Cost Tochter der Aeroflot Gruppe sieben Mal wöchentlich zwischen Moskau und Bratislava. Kommt es hier zu keinen Überschneidungen?
Kolomychenko:
 Die Aeroflot Gruppe bietet ihren Passagieren ein breit gefächertes Angebot. Pobeda ist eine Low Cost Tochter innerhalb der Gruppe die den preissensitiven Passagier ansprechen soll. Aeroflot bedient eine andere Kundenschicht und so kann man erfolgreich auf den beiden Märkten operieren, ohne sich Passagiere wegzunehmen.

AANet: Sehen Sie am österreichischen Markt noch ein Expansionspotential mit Flügen in die Bundesländer, oder denken Sie vielleicht schon an einen fünften täglichen Wien-Flug?
Kolomychenko:
 Wir würden natürlich gerne wieder direkt in die Bundesländer fliegen, aber derzeit sehen wir noch kein Potential dafür. Wir sind bereit für die Aufnahme einer zusätzlichen Moskau Rotation, sind hier jedoch von den geregelten Streckenrechten zwischen den beiden Ländern reguliert, die derzeit keine Erhöhung der Verbindungen zulässt!

Autor: Martin Dichler
Martin Dichler ist Vorsitzender der Flughafenfreunde Wien und schreibt seit Jahren als freier Journalist für diverse Luftfahrt- und Reisemedien.

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