Achterbahnfahrt bei InterSky

Intro Aviation will die Airline loswerden. Scheitert der Verkauf an einen der beiden Interessenten, könnte die Bregenzer Airline grounden.

Dash 8-Q300 (Foto: Peter Unmuth - www.air2aircrew.com).

Die österreichische Regionalfluggesellschaft InterSky soll sich einem Bericht der Wirtschaftspresse-Agentur nach die schwierigsten Tage der Unternehmensgeschichte durchmachen. Das von Firmengründerin Renate Moser am 12. Oktober 2015 in diversen Medien verkündete "grüne Licht" für den Verkauf, wurde auf Austrian-Aviation-Net-Anfrage dementiert. Man habe kein "grünes Licht" erteilt, da die Oberste Zivilluftfahrtbehörde dafür gar nicht zuständig ist, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des österreichischen Verkehrsministeriums.

InterSky befindet sich mehrheitlich im Eigentum der deutschen Intro Aviation um Hans Rudolf Wöhrl und Peter Oncken, die das Regionalluftfahrtunternehmen nun schnellstmöglich veräußert wollen, denn glücklich wurde man der Bregenzer Airline nie. Das "Wunder von Bregenz" dürfte nur von sehr kurzer Dauer gewesen sein.

"Sie wissen, dass dies die Intro in den letzten Jahren zur Genüge gemacht hat und wir auch in den vergangenen Monaten die InterSky in massiver Weise unterstützt haben. Irgendwann meißelt sich aber eine Erkenntnis in Stein, dass im Regional-Nischenverkehr kein Blumentopf zu gewinnen ist, wenn man frontal von der LH-Gruppe und Etihad Regional angegriffen wird. Das Rad wollten wir dann in der Tat nicht neu erfinden und auch die Erschließung neuer Märkte abermals finanzieren. Vor diesem Hintergrund haben wir seit Anfang des Jahres mit einer Vielzahl von Investoren Verhandlungen geführt, von denen heute zwei übrig geblieben sind", erklärt Intro- und Ex-InterSky-Geschäftsführer Peter Oncken gegenüber Austrian Aviation Net.

Die Lage bei InterSky ist allerdings prekär, denn in den letzten Jahren häufte man erhebliche Verluste und damit auch Schulden an, die nun die Regionalfluggesellschaft regelrecht erdrücken. Aus Kreisen des österreichischen Verkehrsministeriums konnte Austrian Aviation Net in Erfahrung bringen, dass InterSky eine letzte Nachfrist zum Nachweis der langfristigen finanziellen Leistungsfähigkeit gesetzt wurde. Die Frist endet am 3. November 2015. Sollte dieser nicht entsprochen werden, soll dem Unternehmen ein AOC-Entzugsverfahren angedroht worden sein. Konkret bedeutet das, dass InterSky ab 3. November 2015 sofort die Betriebserlaubnis verlieren könnte und damit behördlich gegroundet werden würde.

Während die Regionalfluggesellschaft laut der Agenturmeldung dementierte, dass eine unmittelbare Gefahr des Verlusts des AOCs bestehen würde und Firmenchef Roger Hohl darauf verwies, dass "externe Stimmungsmache während Verkaufsprozessen schon fast zum guten Ton gehören" würden, äußerte er sich auf Anfrage der Austrian-Aviation-Net-Redaktion unter Vorhalt der Stellungnahme des BMVIT und der Recherchen wie folgt:

"Es ist richtig, dass es ein Schreiben vom Verkehrsministerium gibt von gestern und einer Deadline vom 3. November 2015 hinsichtlich der langfristigen Cash-Situation der InterSky. Wir sehen darin jedoch nicht den unmittelbaren Entzug des AOCs. Wir gehen aktuell davon aus das bis dahin die Verkaufsaktivitäten abgeschlossen sind."

Den Vorwurf, dass Zusagen gegenüber den Prüfern und Beamten des BMVIT nicht eingehalten wurden, will Roger Hohl allerdings nicht auf sich sitzen lassen: "Hinsichtlich der nicht nachgekommenen Zusagen über die finanzielle Leistungsfähigkeit prüfen wir noch die Vorgänge. Da scheint es ggf. ein Missverständnis zu geben."

Gesellschafter verzichten auf ihre Darlehen
Dass die Regionalfluggesellschaft InterSky finanziell massiv angeschlagen ist, ist spätestens seit der Stundung der Weihnachtsgelder im Vorjahr ein offenes Geheimnis. Der Meldung der Wirtschaftspresseagentur nach soll die Lage allerdings derart zugespitzt sein, dass die von Renate Moser am 12. Oktober 2015 als Kaufpreis im ORF Vorarlberg genannten fünf Millionen Euro lediglich zur "Stillung des akuten Finanzbedarfs" dienen.

Die Agentur berichtet weiters, dass InterSky Altlasten habe, die durch einen möglichen neuen Besitzer ebenfalls zu stemmen wären. Die Regionalfluggesellschaft habe das Geschäftsjahr 2013 mit einem negativen Eigenkapital in der Höhe von 9,7 Millonen Euro abgeschlossen und auch 2014 mutmaßlich massive Verluste eingeflogen. Die Wirtschaftspresseagentur erwähnt auch, dass die Bilanz des Vorjahres noch nicht veröffentlicht wurde. Ob dies ein Verschulden von InterSky ist, oder ob das Firmenbuchgericht diese schlichtweg noch nicht eingespielt hat, geht aus diesem Bericht nicht hervor und ist auch nicht bekannt.

Intro-Chef Peter Oncken sagte im Gespräch mit Austrian Aviation Net allerdings zu, dass im Falle eines Verkaufs sämtliche Gesellschafter auf ihre Darlehen verzichten würden, um den Fortbestand der Fluggesellschaft zu sichern. Fakt ist aber, dass der neue Investor genug Kleingeld mitbringen muss, um InterSky zu ermöglichen, dass der langfristige Kapitalnachweis erbracht werden kann.

"Sie können sich denken, dass angesichts der nicht einfachen Situation der InterSky jeder Investor erwartet, die InterSky sozusagen frei von Verbindlichkeiten der Gesellschafter zu übernehmen. Hierfür haben wir durchaus Verständnis, ist es doch eine Erwartung, die auch wir im Rahmen von Übernahmen haben. In diesem Zuge hat nicht nur die Intro, sondern auch die anderen Gesellschafter auf erhebliche Forderungen verzichtet, um die Übernahme zu ermöglichen", erklärt Peter Oncken.

Im Grunde besteht die Fluggesellschaft InterSky aus zwei Hauptfirmen. Einerseits ist es die eigentliche Regionalfluggesellschaft, die sich mehrheitlich im Besitz der Intro Aviation um Peter Oncken und Hans-Rudolf Wöhrl befindet, und andererseits die Seewald Leasing GmbH, bei der das fliegende Personal beschäftigt ist. Letzteres Unternehmen befindet sich vollständig im Besitz einer Beteiligungsgesellschaft, die Intro-Geschäftsführer Peter Oncken zuordenbar ist.

Aufgrund der von der Wirtschaftspresseagentur veröffentlichten Informationen und der Stellungnahme des BMVIT betreffend dem vermeintlichen "grünen Licht", ist anzunehmen, dass es sich bei den Verkaufsabsichten betreffend InterSky und Seewald Leasing um einen Notverkauf handelt. Dem Vernehmen nach hofft man, dass ein neuer Investor das Unternehmen insbesondere durch frisches Geld stabilisiert und diesem eine solide Zukunft bietet, doch der Verkaufsprozess scheint ins Stocken geraten zu sein.

Zwei Investoren mit Fragezeichen - Oncken jedoch zuversichtlich
Ursprünglich äußerte sich Intro- und Ex-InterSky-Geschäftsführer Peter Oncken am 16. September 2015 dahingehend, dass der Deal mit einem Investor bis "Ende des Monats" abgeschlossen sein wird. Auf Nachfrage schrieb er am 9. Oktober 2015: "Es ist richtig, dass ursprünglich der Vertrag im September abgeschlossen werden sollte, allerdings müssen noch einige Verkaufsvoraussetzungen erfüllt werden, an denen wir derzeit mit Hochdruck arbeiten. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass, wenngleich mit einer kleinen Verzögerung, der Verkauf in Kürze über die Bühne gehen wird." Am 12. Oktober 2015 erklärte Renate Moser in diversen Medien, dass man sich für einen Investor aus Mitteldeutschland entschieden habe, nannte jedoch keine näheren Details.

"Es gilt den Blick nach vorne zu wenden und den Verkauf an einen der beiden Investoren nun rasch über die Bühne zu bekommen, um gerade den Erwartungen des BMVIT, unserer Kunden und natürlich auch unserer Mitarbeiter gerecht zu werden. Dass dies nun klappen wird, daran hege ich keinen Zweifel", erklärt Peter Oncken.

Intro Aviation führte bereits vor einiger Zeit Gespräche mit potentiellen Käufern. So beabsichtigte die schweizerische SkyWork Airline unter der Führung von Tomislav Lang die Übernahme der heimischen Regionalfluggesellschaft InterSky. Letztlich kam man aber nicht zusammen, so dass der Deal nicht zu Stande kam. Im Frühjahr des Vorjahres interessierte sich Norbert Dotterweich über seinen Mitarbeiter Roland Ehrsam für InterSky, wie Hans Rudolf Wöhrl im Juli 2014 gegenüber Austrian Aviation Net bestätigte: "Die Gespräche mit Herrn Ehrsam haben natürlich stattgefunden. Ich glaube er hat mir jedem gesprochen der in der Lage ist einen Propeller von einem Jet zu unterscheiden. Die Gespräche waren auch kurzweilig." Zu einer Unterzeichnung eines LOI wäre es laut Wöhrl damals nicht gekommen.

Peter Oncken erklärte nun auf Nachfrage warum der Verkauf, der seiner ursprünglichen Aussage von Mitte September 2015 nach, bereits im Vormonat abgeschlossen werden hätte sollen, dass sich ein zweiter Interessent für die Airline gefunden habe. Auf hartnäckige Nachfrage erklärte InterSky-Chefin Renate Moser, dass es sich dabei um einen Industriellen aus Vorarlberg handeln würde, jedoch könne sie mehr dazu nicht sagen.

"Es ist richtig, dass wir zuletzt nur mit einem Investor gesprochen haben, mit dem zweiten kamen wir ins Gespräch als die fortgesetzten Gespräche mit dem ersten Interessenten auch über Ihr Medium kommuniziert wurden", bestätigt auch Peter Oncken, dass man nun die Wahl aus zwei potentiellen Käufern habe.

Beim ersten Interessenten, unter Berücksichtigung der Medienberichterstattung vom 12. Oktober 2015, in der Renate Moser erklärte, dass dieser aus Mitteldeutschland stamme, dürfte es sich also um eine Wiederaufnahme der im Frühjahr des Vorjahres abgebrochenen Gespräche handeln. Durch diese Investoren wurde bereits die österreichische Firma Air Alps Aviation übernommen, die jedoch schon lange keinen Flugbetrieb mehr hat und nur noch als GmbH mit Sitz in Innsbruck existiert.

InterSky muss es gelingen rasch einen der beiden Investoren zur Übernahme und Versorgung mit frischem Kapital zu bewegen, da wie seitens Intro Aviation einschlägig erklärt, von dieser keine weiteren Investments zu erwarten sind. Die Airline hat also nur dann eine realistische Überlebenschance, wenn der neue Eigentümer sämtliche Zusagen einhält und das notwendige Kapital fristgerecht hinterlegt. Andernfalls drohen unter Umständen der Verlust der Betriebsgenehmigung und die Insolvenz des Unternehmens, da ohne Einnahmen aus dem Verkauf von Flugscheinen und Charteraufträgen, Airlines erfahrungsgemäß kein langes Leben haben.

"Aber ich möchte mich grundsätzlich nicht zur Identität von Interessenten äußern. Sie schaden dem Vertrauen, das solchen Verhandlungen zugrunde liegt. Insofern beteilige ich mich auch heute nicht daran. Was die Zahlungsbereitschaft und -fähigkeit anbetrifft, so weiß ich zumindest von einem der beiden, dass er über ausreichende Mittel verfügt. Was den anderen anbetrifft, haben uns Referenzen zufrieden gestellt, einen Kapitalnachweis haben wir nicht gefordert. Die gewählte Transaktionsstruktur würde hier ohnehin genügend Sicherheit bieten", erklärt Intro-Chef Peter Oncken betreffend der finanziellen Leistungsfähigkeit der beiden Interessenten.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Austrian Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan ist studierter Theater-, Film- und Medienwissenschaftler und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Austrian Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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