A320neo sorgt für Kummer bei Kunden

Derzeit nur Jets mit PW-Triebwerken betroffen. Konkurrent CFM könnte nun profitieren.

Foto: Jan Gruber.

Der europäische Flugzeugbauer Airbus bekommt die Probleme mit den von Pratt & Whitney gelieferten Triebwerken offenbar so schnell nicht in den Griff. Der Konzern informierte Kunden und Leasinggesellschaften darüber, dass es nun einen vorläufigen Lieferstopp gibt. Die Dauer ist momentan nicht abschätzbar.

Erst am Freitag, den 9. Feber 2018, gab die EASA im Rahmen einer dringenden Lufttüchtigkeitsanweisung eine Warnung bezüglich der Triebwerke heraus. Es besteht die Möglichkeit, dass sich die PW1100G-JM-Triebwerke in der Luft von selbst abschalten. Es sind allerdings nicht sämtliche Triebwerke dieser Baureihe betroffen, sondern: PW1127G-JM, PW1127GA-JM, PW1130G-JM, PW1133G-JM und PW1133GA-JM ab Seriennummer P770450.

Insgesamt sollen nach derzeitigem Kenntnisstand mindestens 43 Flugzeuge des Typs Airbus A320neo betroffen sein. Sollten das Muster zwei Triebwerke ab der im vorherigen Absatz genannten Seriennummer montiert haben, so muss es am Boden bleiben. Betroffene Airlines können die Pratt & Whitney Triebwerke durchaus gegen ältere Modelle, sofern überhaupt verfügbar, austauschen, gelingt dies jedoch nicht, herrscht bis auf weiteres Flugverbot.

Eine abweichende Regelung gilt allerdings, wenn nur einer der beiden Motoren betroffen ist. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn die Seriennummer eines Triebwerks nicht betroffen ist, die andere jedoch schon. In diesem Fall darf der A320neo mit Einschränkungen fliegen, jedoch sind ETOPS-Flüge ab sofort verboten.

Hersteller Pratt & Whitney kontaktiere laut eigenen Angaben bereits sämtliche betroffenen Fluggesellschaften und befindet sich mit Airbus in einem engen Abstimmungsprozess zur Problemlösung. Festgestellt wurde ein Qualitätsmangel bezüglich einer Nabe des Hochdruckverdichters.

Bevor die betroffenen A320neo wieder abheben dürfen, muss dieser Mangel behoben werden. Airbus zog aus Sicherheitsgründen gleich komplett die Notbremse und stoppte - wie bereits erwähnt - die Neuauslieferungen, die das "Problemtriebwerk" montiert bekommen. Betroffen ist beispielsweise Indigo, die bereits drei Einheiten grounden musste.

Für Pratt & Whitney könnte die Sache noch richtig problematisch werden, denn abgesehen von Schadenersatzforderungen könnten sich zahlreiche Kunden kurzfristig für Triebwerke von CFM entscheiden, die von den momentanen Problemen nicht betroffen sind. Dem Vernehmen nach haben sich in der Vergangenheit rund die Hälfte der Kunden für Pratt & Whitney bzw. CFM entschieden. Je länger die PW-Probleme andauern, desto eher kann CFM davon profitieren.

Autor: Jan Gruber
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Jan interessiert sich seit seiner Kindheit für die Luftfahrt und ist seit 2012 Mitglied der Redaktion von Austrian Aviation Net. Sein Spezialbereich ist die Regionalluftfahrt.

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