35 Jahre Verspätung

Eimal jährlich geben sich die Chefs der wichtigsten europäischen Fluglinien ein Stelldichein in Brüssel. Im Rahmen der Vereinigung "Airlines for Europe" (A4E) legen Sie ihre wichtigsten Themen und Forderungen auf den Tisch. Das Thema heute war - einmal mehr - das Problem der großen Verspätungen und Flugausfälle. Michael Csoklich war für AviationNetOnline in Brüssel.

Thomas Reynaert (Managing Director A4E), Willie Walsh (CEO IAG), Michael O´Leary (CEO Ryanair), Johan Lundgren (CEO EasyJet), Pieter Elbers (KLM) und Carsten Spohr (CEO Lufthansa Group, Foto: Michael Csoklich),

Die Kritik war harsch, die Zahlen beeindruckend, die die CEOs der Fluglinien KLM, Easy Jet und Ryanair sowie der IAG und Lufthansa Group am Mittwoch präsentiert haben: 2018 ist die Zahl der Flüge in Europa um 14 Prozent gestiegen, die Verspätungen haben um 279 Prozent zugenommen. 334 Millionen Passagiere waren betroffen - sie mussten 19 Millionen Minuten Verspätung in Kauf nehmen. "Das sind 35 Jahre", sagte Willie Walsh, Chef der IAG.

Die Fluglinien beklagen enorme Kosten. So summierten sich die Verspätungen nach Angaben von A4E auf 14,2 Milliarden Euro, die abgesagten Flüge auf 3,4 Milliarden Euro. Verursacht werden diese Probleme, so der einhellige Tenor der Airline-Chefs hier in Brüssel, zu 75 Prozent von der Flugsicherung. Die sei ihrer Meinung nach völlig unzureichend - darunter der Mangel an Fluglotsen sowie die mangelhaften Strukturen. Stichwort Single European Sky. Der einheitliche europäische Luftraum hat mittlerweile 18 Jahre Verspätung. Mehr Effizienz würde nicht nur Kosten sparen, sondern den CO2-Ausstoß um fast 20 Prozent reduzieren. Alleine die Streiks verursachten 2018 in Europa einen Mehrausstoss an CO2 von einer Million Tonnen.

"Es gibt hier in der Luftfahrt keinen Fortschritt, wir gehen zurück", sagte Ryanair-Chef Michael O‘Leary. Zeit zu handeln, so der Appell an die Europäische Kommission. Gefordert wird die rasche Realisierung eines internationalen Luftraums Europa und ein Ende der Monopole der nationalen Flugsicherungen. Auch dürften lokale Streiks, wie zuletzt häufig in Frankreich, nicht mehr die Überflüge tangieren. Und Fluglotsen müßten rascher und einheitlich europäisch ausgebildet werden.

Ein klares "Nein" kommt von den Airline-Chefs zur Kritik, die Fluglinien würden zu wenig für den Klimaschutz tun und zu der diskutierten europäischen Flugsteuer. Letztere würde dem Klimaschutz nicht nur nicht nutzen, sondern sogar schaden. Denn das Geld würde dann fehlen, um weiter in neue, abgasärmere Flugzeuge zu investieren. Und es würde bei der Erforschung alternativer Treibstoffe fehlen. Gefordert wird hier mehr Unterstützung im Bereich Forschung und Entwicklung. Schließlich verweisen die Fluglinien darauf, dass sie hohe zweistellige Milliardenbeträge in modernere Flotten investieren, und dass es ja das (freiwillige) weltweite Agreement gebe, bis 2050 den CO2-Ausstoß der Luftfahrt um 50 Prozent zu reduzieren.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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